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Überblick Klimaschutz

Der Klimaschutz wird eine der herausfordernsten Aufgaben des 21. Jahrhunderts für die gesamte Menschheit. Die globale Mitteltemperatur erwärmte sich seit Beginn des letzten Jahrhunderts um mehr als 0,8 °C. Die Folgen des Klimawandels sind schon heute auf allen Kontinenten zu beobachten.

Um diesem Trend entgegenzuwirken, einigten sich im Dezember 2015 alle UN-Mitgliedsstaaten auf die Begrenzung der menschengemachten globalen Erwärmung auf 2 °C, wenn möglich auf 1,5 °C. Um dieses Ziel zu erreichen sind Anstrengungen auf nationaler Ebene, auf Landesebene aber auch in den einzelnen Kommunen erforderlich. Die Stadt Jena leistet ihren Beitrag und will bis zum Jahr 2035 die Klimaneutralität erreichen.

Die Stadt Jena setzt sich zum Ziel die Klimaneutralität bis zum Jahr 2035 zu erreichen. Mit dem Beschluss „Jena klimaneutral bis 2035“ vom 14.07.2021 hat sich der Stadtrat der Stadt Jena zu diesem ambitionierten Klimaschutzziel bekannt. Gleichzeitig wurde die Stadtverwaltung mit der Erarbeitung eines Klima-Aktionsplans beauftragt, dessen Umsetzung die Stadt Jena bis 2035 zur Klimaneutralität führt. Das Ziel des Klima-Aktionsplanes ist es, aufzuzeigen welche kommunalen Maßnahmen dazu erforderlich sind.

Die Stadt Jena hat die target GmbH mit der Erarbeitung des Klima-Aktionsplans beauftragt. Der Beirat für Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung hat den Prozess zur Erarbeitung von entsprechenden Maßnahmen aktiv begleitet. Im Rahmen von diversen Workshops und Themenwerkstätten wurden gemeinsam Maßnahmen erarbeitet, die Jena bis zum Jahr 2035 zur Klimaneutralität führen werden.

Stadtrat bestätigt Klima-Aktionsplan

Der Stadtrat der Stadt Jena hat in seiner Sitzung am 19.04.2023 den Klima-Aktionsplan bestätigt und den Beschluss „Klima-Aktionsplan: Jena klimaneutral bis 2035“ gefasst und die Stadtverwaltung mit der Umsetzung dessen beauftragt.

Der Klima-Aktionsplan zeigt im sogenannten Klimaneutralitätsszenario auf, wie viel Treibhausgas (THG) Emissionen in verschiedenen Sektoren eingespart werden können. Zur Umsetzung des Klimaneutralitäts-Szenarios wurden 73 Maßnahmen in den definierten Themenfeldern in einem Maßnahmenkatalog entwickelt.

Maßnahmenkategorien

Die Maßnahmen werden in drei Maßnahmenkategorien eingeordnet: Sofortmaßnahmen, Leitmaßnahmen und begleitende Maßnahmen.

  • Sofortmaßnahmen sind zeitlich als prioritär zu behandeln.
  • Leitmaßnahmen sind von besonderer Bedeutung, da deren Strahlkraft und/oder das THG-Minderungspotenzial besonders groß ist. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass mehrere Einzelmaßnahmen organisatorisch zusammengefasst werden. Die Umsetzung dieser geht im Gegensatz zu den Sofortmaßnahmen jedoch mit einem größeren zeitlichen Vorlauf einher.
  • Weitere Maßnahmen werden als begleitende Maßnahmen definiert. Diese sind ebenso wichtig für die Zielerreichung, haben aber einen geringeren Einfluss auf das THG-Minderungspotenzial und dienen im Wesentlichen zur Unterstützung der Leitmaßnahmen bzw. haben das Ziel, den Klima-Aktionsplan durch Kommunikation, Information und Vernetzung zu unterstützen.

Unter Downloads finden Sie den Bericht sowie den Maßnahmenkatalog zum Klima-Aktionsplan.

Im Prozess der Lokalen Agenda 21 haben sich bereits Anfang 2000 engagierte Bürger an „Runden Tischen“ zusammengefunden und ein Leitbild für eine zukunftsfähige Entwicklung in der Stadt Jena entwickelt. Seit 2007 legt die Stadt Jena in sogenannten "Leitbildern Energie & Klimaschutz" die Klimaschutzziele der Stadt fest. Jährliche Monitoringberichte zeigen den aktuellen Fortschritt im Hinblick auf die Zielerreichung auf.

Leitbild Energie und Klimaschutz 2007 – 2012

Im ersten Leitbild Energie und Klimaschutz wurden absolute Zielvorgaben zur Senkung des Strom- und Wärmeenergieverbrauchs in Haushalten, Gewerbe und Stadtverwaltung, zur Senkung des Endenergiebedarfs im Individualverkehr und die Unterstützung von Vorhaben zur Nutzung regenerativer Energien bzw. der Wärme-Kraft-Kopplung festgelegt.

Leitbild Energie und Klimaschutz 2014 – 2020

Die 2007 beschlossenen Ziele wurden mit geringen Modifikationen für die nächsten sechs Jahre fortgeschrieben. So werden nun die Einwohnerzahl und die sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze beim Strom- und Wärmeenergiebedarf berücksichtigt, konkrete Vorgaben für die Stromproduktion der Stadtwerke aus erneuerbaren Energien und die Verwertung des Bioabfalls vorgeschrieben.

Leitbild Energie und Klimaschutz 2021 – 2030

Der Stadtrat der Stadt Jena hat am 04.09.2019 die Fortschreibung des Leitbildes Energie und Klimaschutz beschlossen. Am 16.07.2020 wurde das Leitbild Energie und Klimaschutz der Stadt Jena 2021-2030 vom Stadtrat beschlossen. Die Erarbeitung des Leitbildes erfolgte in Zusammenarbeit mit dem Beirat für Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung und der Stadt Jena.

Ambitionierte Klimaschutzziele in den Bereichen Wärme, Strom, Mobilität, erneuerbare Energien sowie Lebens- und Wirtschaftsweise stehen für eine Richtschnur, an der sich die Stadt Jena bis 2030 messen wird. Sollten einzelne Ziele vorzeitig erreicht und übertroffen werden, ist eine ambitionierte Nachjustierung vorgesehen. Die entsprechenden Maßnahmen zur Erreichung der Klimaschutzziele werden im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie der Stadt Jena erarbeitet.

Das Leitbild Energie und Klimaschutz wird einem regelmäßigen Monitoring unterzogen. Damit soll zum einen die Anpassung des Leitbildes an die aktuelle politische und rechtli­che Entwicklung als auch eine Überprüfung der Erfüllung seiner Zielvorgaben gewährleistet sein. Zum anderen soll das Monitoring dazu dienen, die im Energiekonzept enthaltenen Maßnahmen zu evaluieren, anzupassen und neue Projekte zu initiieren.

Im Downloadbereich können die Monitoringberichte 2013 bis 2021 heruntergeladen werden.

Monitoring 2021

Der aktuellste Energiekurzbericht basiert auf Grundlage der energierelevanten Daten des Jahres 2020. Ziel dieses Monitorings war u. a. die Ermittlung der Energieverbräuche aus den Bereichen Wärme, Strom und Mobilität sowie der daraus resultierenden CO2-Emissionen der Stadt Jena.

Ab dem Jahr 2021 erfolgt die Evaluierung der Zielvorgaben des aktuellen „Leitbildes Energie und Klimaschutz 2021 bis 2030“.

Elektroenergieverbrauch

Der Elektroenergieverbrauch der Haushalte und des Kleingewerbes reduzierte sich im Zeitraum von 2006 bis 2020, korrigiert um die Einwohner- und Beschäftigtenentwicklung, um ca. 18,1 %. Das Ziel wurde erreicht.

Ziel bis 2020:

Senkung um mindestens 10 % gegenüber 2004/2005, korrigiert um Einwohner- und Beschäftigtenentwicklung.

In Gebäuden der Stadtverwaltung bzw. in Gebäuden, die sich im Eigentum von KIJ befinden stieg der Elektroenergieverbrauch seit 2012/2013 kontinuierlich an, seit 2017 ist ein Rückgang des Elektroenergieverbrauchs zu verzeichnen. Im Jahr 2020 lag der Elektroenergieverbrauch erstmals unter 3 % des Verbrauchs der Jahre 2012/2013.

Ziel bis 2020:

Senkung bzw. Stabilisierung des Niveaus von 2012/2013.

Wärmeverbrauch

Für Gebäudeheizung und Warmwasseraufbereitung der Jenaer Haushalte und des Kleingewerbes ist klimabereinigt seit 2004/2005 eine Steigerung des Verbrauchs von 2,5 % und korrigiert um einen die Einwohner- und Beschäftigtenentwicklung widerspiegelnden Faktor eine Senkung um ca. 9 % zu verzeichnen. Das Ziel wurde noch nicht erreicht.

Ziel bis 2020:

Senkung um 10 % gegenüber 2004/2005.

In Gebäuden der Stadtverwaltung bzw. in Gebäuden, die sich im Eigentum von KIJ befinden, ergibt sich klimabereinigt eine Senkung des Wärmeverbrauchs um 36,4 % gegenüber 2004/2005. Gegenüber 2007 konnten 17,9 % des Wärmeverbrauchs eingespart werden. Das Ziel wurde erreicht.

Ziel bis 2020:

Beibehaltung bzw. Senkung des bereits seit 2007 gesenkten Endenergiebedarfs für Raumwärme und Warmwasser für Gebäude im Eigentum von KIJ.

Mobilität

Seit 1998 wird das Mobilitätsverhalten in einem 5-jährigen Turnus im Rahmen des Systems repräsentativer Verkehrsbefragung (SrV) untersucht. Die letzte Erhebung der Technischen Universität Dresden fand im Jahr 2018 statt. Die Ziele im Bereich Mobilität wurden 2018 nicht erreicht.

Für das erste „Corona-Jahr“ 2020 ist das Mobilitätsverhalten als völlig atypisch zu bewerten. Es kam u.a. zu einem deutlichen Einbruch der Fahrgastzahlen im ÖPNV. Deutliche Veränderungen im Modal Split sind wahrscheinlich, seriöse Aussagen dazu sind nicht möglich.

Energiebedingte CO2-Emissionen

Der energiebedingte CO2-Ausstoß der Sektoren Strom, Wärme und Mobilität der Stadt Jena ging seit dem Jahr 1990 schätzungsweise um etwa 71 % zurück. Trotz der bisher erreichten Erfolge sind weiter erhebliche Anstrengungen erforderlich. Die Stadt Jena hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2035 klimaneutral zu sein.

Es ist konsequent, wenn sich gerade das Dezernat für Stadtentwicklung und Umwelt nun auch den Treibhausgas-Emissionen „im eigenen Haus“ stellt. Eine Vorbildwirkung wird hier nicht nur gegenüber dem Bürger erzielt, sondern auch gegenüber weiteren Verwaltungen in Jena und anderen Städten.

Das Thüringer Institut für Nachhaltigkeit und Klimaschutz (ThINK) und die Agentur Nachhall greifen diese Bemühungen auf und entwickeln sie mit fachlicher Kompetenz weiter. Auf dem Gebiet der Quantifizierung von Treibhausgas-Emissionen (THG-Emission) verfügt ThINK über ein umfangreiches Fachwissen.

Umsetzung des Projektes

Zunächst erfolgte eine Recherche der verfügbaren Daten zu den Treibhausgas-Emissionen des Dezernates in den Bereichen Mobilität, Gebäude, Print und Beschaffung. Die Erhebung von Daten über das Mobilitätsverhalten der Mitarbeiter wird mittels eines Fragebogens durchgeführt.

Anschließend wird der THG-Rechner an die Erfordernisse der Bilanzierung einer Verwaltung und Berechnung des CO2-Fußabdrucks auf Basis von CO2-Äquivalenten entsprechend dem Prinzip der Lebenszyklusanalyse angepasst. Die Analyse, die Ergebnisse der Bilanzierung sowie konkrete Handlungsempfehlungen werden in einem aussagefähigen Bericht dargestellt.

Abschließend kann im Rahmen der Klimaneutralstellung die THG-Bilanz anhand regionaler Klimaschutz-Projekte erfolgen

Projektablauf

Das Dezernat Stadtentwicklung und Umwelt hat dieses Projekt bereits zweimal durchgeführt. Einmal im Jahr 2014 und ein Mal im Jahr 2017.

Zu einem Auftakt-Workshop waren alle Mitarbeiter eingeladen, um Informationen über das Anliegen des Projektes zu erhalten. Das Konzept wurde durch ThINK und die Agentur Nachhall vorgestellt. Gleichzeitig wurde der Fragebogen zur Mobilität erläutert.

In einem zweiten Workshop erfolgte die Auswertung der Mobilitäts-Umfrage, erste Ergebnisse wurden vorgestellt und mögliche Handlungsempfehlungen diskutiert.

Die Handlungsempfehlungen entsprechen weitgehend den Empfehlungen aus der ersten Studie aus dem Jahr 2014. Die konsequente Weiterführung der begonnenen Maßnahmen, insbesondere im Bereich des Nutzerverhaltens, beinhalten die größten Potenziale für eine weitere Verringerung der Emissionen.

Klimaneutralstellung

Das Dezernat Stadtentwicklung und Umwelt engagiert sich sehr stark im Bereich des Klimaschutzes und ist bereit, auch eine ökologische Verantwortung zu übernehmen. Hierzu bietet sich eine Klimaneutralstellung auf dem freiwilligen Kompensationsmarkt an. Dabei werden alle Emissionen, die die Verwaltung mit ihrer Tätigkeit emitiert, durch Baumpflanzungen ausgeglichen. 

Um die Gesamt-Emissionen von ca. 175 t CO2 klimaneutral zu stellen, sieht das Dezernat vor, sich an dem Baumpflanzprojekt "Deutscher Klimawald" zu beteiligen.

Weiterhin ist geplant, dass es zu einer Baumpflanzaktion im Bereich einer Kita im Stadtgebiet kommen wird. Ein möglicher Pflanzstandort wird durch das Ergebnis der Studie "Untersuchung der Hitzebelastung an Kindertagesstätten und Grundschulen in Jena" mit bestimmt.

Jeder Einzelne kann seinen CO2-Ausstoß reduzieren. Doch wie viele Tonnen CO2 stoßen Sie eigentlich jährlich aus? Wo sind Stellschrauben zur Vermeidung des CO2-Ausstoßes? Wie kann ich ganz konkret zum Schutz des Klimas beitragen?

Mit dem CO2-Rechner des Umweltbundesamtes können Sie innerhalb weniger Minuten Ihren persönlichen CO2-Ausstoß für die Lebensbereiche Heizung & Strom, Mobilität, Ernährung und sonstigen Konsum ermitteln.